Aufstiegsparty im Tessin

Matchbericht FC Lugano U 21 – FC Kickers (0:0) 0:1

Aufstiegsparty im Tessin

Der Anpfiff verzögert sich in Lugano. Das Tor steht nicht mehr da, wie es eigentlich hätte dastehen sollen. Grund dafür ist der Kickers-Torhüter Eldin Beganovic: Er hat das Tor kurzzeitig ausser Gefecht gesetzt.

Was gibt es über das Spiel gegen die U 21 von Lugano zu sagen? Was könnte mehr interessieren, als die letzten 15 Minuten, in welchen Kickers zuerst eine Gelb-Rote Karte kassierte, in der letzten Spielminute einen Ball von der Linie kratze, und am Ende doch im Siegestaumel vom Platz schritt. Eloy Barrios hatte Kickers trotz Unterzahl in den letzten Minuten des Spiels mit 1:0 in Führung gebracht. Sein Tor machte den Weg frei für den Aufstieg in die 1. Liga, weil Zofingen gegen Hergiswil am Ende mit 1:2 verlor.

Bereits zu Beginn des Spiels war bemerkbar, dass es für Lugano um Nichts mehr ging in der laufenden Meisterschaft. Kickers aber musste die drei Punkte unbedingt für den Aufstieg holen, wollte man eine Woche später im Spiel gegen Ibach nicht erneut alles in die Waagschale werfen. Die Motivation von Kickers zeigte sich dann auch vor dem Spiel in der Person des Torhüters Eldin Beganovic, der das Torgehäuse testete. Seinen Motivationssprüngen hielt das Tor vorerst nicht stand. Jener Spieler war es später auch, der Kickers während des Spiels und vor allem in den ersten Minuten einige Male vor einem frühen Rückstand bewahrte.

Fehlpässe, nicht vollständig zu Ende geführte Zweikämpfe, ein ungenügendes Abwehrverhalten, das zu Torchancen führte – sie waren vor allem dem Umstand der enormen Hitze im Tessin geschuldet, aber auch der fast schon greifbaren Nervosität der Spieler. Zwar zeigte sich bereits früh im Spiel, dass man gewillt war, die drei Punkte einzufahren, am Ende haperte es aber oft an der Umsetzung. In den ersten Minuten des Spiels waren es gar die Luganesi, die mehrere Male knapp scheiterten.

Zu den vielen Fehlern im Spielaufbau hinzu gesellte sich auch die Unzufriedenheit der Spieler, was sich anhand der Reklamationen und Karten widerspiegelte. In Anbetracht der Tatsache, die nächste Saison in der 1. Liga zu bestreiten, muss sich wohl der eine oder andere Spieler in der nächsten Spielzeit besser unter Kontrolle haben. Entscheide des Schiedsrichters hin oder her.

Es musste bereits die 13. Minute anlaufen, ehe Kickers zu einer ersten nennenswerten Torchance kam. Leandro Nunes und Marco Kistler glänzten dabei mit einer schnell ausgeführten Ballstafette, die von Kistler mit einem Schuss auf das Tor ihr Ende fand. Kistlers Schuss verfehlte das Ziel knapp.

Dass sich Kickers immer wieder selbst in Gefahr brachte, zeigte sich in der 25. Minute, als sich Luca Glatt aus der Verteidigung löste, sich in die Offensive einschaltete, den Ball aber fast schon fahrlässig an einen Lugano-Spieler verlor. Im Gegenzug eröffnete er dadurch eine Konterchance für Lugano, die nur mittels taktischem Foul von Marko Brzovic unterbunden werden konnte. Korrekterweise sah dieser die gelbe Karte. Luca Glatt war es, der in der 30. Minute erneut in Erscheinung trat, als er einen Ball aus der Abschlusszone befreite und sich dabei verletzte. Er musste nach der Pause von Kevin Kisungu ersetzt werden.

Vor der Pause kam Kickers noch zu zwei weiteren Torchancen. Einmal spielte Kickers das Glück regelrecht in die Füsse, als der Ball nach einem Abpraller bei Mateo Peric landete. Dieser leitete den Ball weiter zu Leandro Nunes, der den Ball aber nicht im Tor unterbringen konnte. Sichtlich geschafft und mit Schweiss durchtränkt, trat man dann endlich den Weg in die Kabinen an.

Nach der Pause zeigte sich ein ähnliches Bild wie schon zu Beginn der Partie. Nur zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff musste Eldin Beganovic nach einem ungenauen Rückpass eines Aussenverteidigers in letzter Instanz in den Einwurf klären. Wenige Minuten später, in der 55. Minute hielt man als Zuschauer wieder den Atem an, als Beganovic den Ball nach einem Freistoss mit den Fäusten befreite und dabei mit dem Kopf in den Pfosten knallte. Und vielleicht musste dieser in den

Pfosten knallen, damit die Spieler am Ende wach gerüttelt wurden und wussten, wo sie sich an diesem Nachmittag befanden. Denn das Spiel wurde nach Beganovics Reencontre mit dem Pfosten gefährlicher und auch aggressiver. Kickers erarbeitete sich nach der Einwechslung von Sandro Villiger, der für Mateo Peric kam, ein deutliches Chancenplus.

Villiger war es denn auch, der in der 68. Minute nach einem schönen seitlichen Volley knapp am Tor vorbeischoss. Fortan bemühten sich die Spieler mehr darum, ein Tor zu schiessen. Es war klar, dass jene Mannschaft, der zuerst ein Treffer gelingen würde, als Sieger vom Platz schreiten wird. Zuerst fasste sich Maurice Maumar (Moe) ein Herz; sein Gewaltschuss wurde jedoch blockiert, anschliessen scheiterte Yahia Abaidia nach einem schön getretenen Freistoss; er setzte den Ball knapp über das Tor.

Und dann kam sie. Die «Kickers-Viertelstunde». Die Ereignisse begannen sich zu überschlagen. Zuerst erhielt Maurice Maumar nach einem Tackling die zweite Gelbe Karte des Spiels. Platzverweis. Kurze Zeit später machte die Nachricht auf der Zuschauertribüne die Runde, dass Zofingen 1:2 gegen Hergiswil verloren hatte, noch bevor der Staff auf dem Feld informiert davon in Kenntnis gesetzt worden war. Zu diesem Zeitpunkt hätte Kickers faktisch mit einem Fuss in der 1. Liga gestanden. Und dann kam sie schliesslich: die 89. Minute. Die Nachricht der Niederlage von Zofingen hatte in der Zwischenzeit auch die Trainerbank erreicht – man durfte sich aber nichts anmerken lassen, weil die Spieler dann vermutlich noch nervöser geworden wären. Wie genau der Ball dann in die Mitte zu Eloy Barrios gekommen ist, der den Ball anschliessend ruhig und überlegt ins Tor schoss, kann ich an dieser Stelle leider auch nicht mehr genau sagen, weil ich keine Zeit mehr hatte in mein Notizbüchlein zu kritzeln. Und um ganz ehrlich zu sein, wer interessiert das am Ende noch?

Eine Glanztat vollbrachte nur wenige Sekunden später Leandro Nunes, in dem er in letzter Sekunde einen Heber eines Lugano-Spielers über alle Köpfe vor der Linie per Kopfball in einen Eckball klären konnte. Und dann waren sie vorbei. Die nervenauftreibenden Minuten. Kickers steigt in die 1. Liga auf. Und das ist doch alles, was momentan zählt.

Aufstellung: Beganovic Eldin, Presas Abreu Joao Ricardo, Luca Glatt, Kokanovic Sascha, Vono Vincenzo, Abaidia Yahia, Kistler Marco, Brzovic Marko, Manuel Maumar Mauricio, Peric Mateo, Nunes Coelho Leandro Tiago, Rodrigues

Ersatz: Opoku Daniel, Quinido Luc, Grüter Martin, Vono Vincenzo, Barrios Aneas Eloy, Kisungu Kevin, Fischer Philippe

Tor: 89. Eloy Barrios (FC Kickers)

Bericht: Marjana Ensmenger

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